22.07.2026

Gemüse retten und knackiges schaffen

Aus überschüssigem oder aussortiertem Gemüse ein sinnvolles Produkt entwickeln – genau das hat das Miniunternehmen «Resnack» im Rahmen des «Company Programme» von Young Enterprise Switzerland (YES) umgesetzt und damit den von Coop verliehenen Nachhaltigkeitsaward gewonnen.

Im Interview erzählt das Team um  Jana Kohlbrenner (18), Sophia Perren (19), Sienna Schnyder (19), Nina Kammer (19) und Siena Arnold (18) vom Kollegium Spiritus Sanctus in Brig, wie die Idee entstanden ist, welche Herausforderungen sie meistern mussten und warum Nachhaltigkeit für sie nicht nur Verantwortung gegenüber der Umwelt, sondern auch im sozialen Bereich bedeutet.

Erzählt doch zuerst noch einmal von Anfang an: Was genau habt ihr gemacht und was war die Idee dahinter?
Die Idee war, Gemüse zu retten, das vielleicht als zweitklassig angesehen wird, weil es zu klein oder zu gross ist. Wir wollten diesem Gemüse eine zweite Chance geben und daraus etwas Neues schaffen. Gleichzeitig haben wir uns gefragt, ob es nicht eine gesündere und nachhaltigere Alternative zu normalen Chips geben müsste. So sind wir auf die Idee gekommen, aus Gemüse Chips herzustellen.

Ihr habt das Projekt im Rahmen des YES-Company Programme gemacht. War die Teilnahme verpflichtend oder freiwillig?
Die Teilnahme war freiwillig. Wir wollten sehr gerne etwas Praktisches machen und auch unternehmerische Erfahrungen sammeln, weil man in der Schule sonst oft eher theoretisch arbeitet. Deshalb waren wir sehr dankbar für diese Möglichkeit und würden es sofort wieder machen. Es war für uns eine sehr tolle und wertvolle Erfahrung.

War von Anfang an klar, dass ihr etwas im Bereich Nachhaltigkeit machen wollt, oder hat sich das eher im Verlauf des Projekts ergeben?
Wir wollten von Anfang an etwas erschaffen, auf das wir stolz sein können. Gleichzeitig war das Thema Nachhaltigkeit schon früh ein wichtiger Ausgangspunkt. Gerade im Wallis und allgemein ausserhalb grösserer Städte ist Nachhaltigkeit nicht überall gleich stark verankert. Viele Menschen sind anfangs eher skeptisch, auch weil Nachhaltigkeit oft mit höheren Kosten verbunden wird. Genau deshalb war es uns wichtig, dort anzusetzen. Wir haben uns auch überlegt, wie wir möglichst viel nachhaltig gestalten können, zum Beispiel beim Material oder bei den Etiketten.

Ist euch Nachhaltigkeit persönlich besonders wichtig? Und habt ihr das Gefühl, dass das in eurer Generation stärker verankert ist als bei älteren Generationen?
Wir haben das Gefühl, das ist zum Teil auch etwas regionsspezifisches. Vieles ist bei uns ohnehin schon recht regional, zum Beispiel Fleisch oder andere Produkte aus der Umgebung. Gleichzeitig wird der Begriff Nachhaltigkeit oft sehr unterschiedlich verstanden. Wir glauben, das Problem ist weniger der Wille als vielmehr die Frage, was genau unter Nachhaltigkeit verstanden wird und was alles dazugehört.

Was war denn zu Beginn oder auch im Verlauf des Projekts die grösste Herausforderung?
Eine der grössten Herausforderungen war, genügend Gemüse in guter Qualität zu bekommen und gleichzeitig sicherzustellen, dass wir eine konstante Qualität bieten können. Dazu kam, dass das Gemüse saisonal verfügbar sein musste. Wir wollten schliesslich mit dem arbeiten, was gerade vorhanden ist. Das war schon eine Herausforderung, weil wir vieles zuerst ausprobieren mussten.

Kam das Gemüse von einem Hof oder von mehreren?
Ein Grossteil kam von einem Hof und ein kleiner Teil von einem weiteren. Also nicht von ganz vielen verschiedenen Orten, sondern eher konzentriert.

Wie muss man sich den Ablauf vorstellen – vom Moment, in dem ihr das Gemüse bekommen habt, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Chips verkaufsbereit waren?
Wir haben den ganzen Prozess in verschiedene Schritte aufgeteilt. Zuerst haben wir kontrolliert, wie viel wir überhaupt produzieren können, und danach einen Zeitplan erstellt. Anschliessend wurde das Gemüse gewaschen, geschnitten und auf die Bleche verteilt. Danach haben wir es gewürzt, bevor die Chips für fast vier Stunden in den Ofen kamen. Während dieser Zeit mussten wir immer wieder kontrollieren, wie sich die Chips entwickeln, und den Ablauf gut organisieren.

Das klingt nach einem enormen Zeitaufwand. Wie habt ihr das organisatorisch überhaupt geschafft?
Das Projekt war tatsächlich mit einem sehr grossen Zeitaufwand verbunden. Gerade deshalb spielte die Unterstützung unserer Familien eine riesige Rolle. Unsere Eltern haben uns geholfen, uns gefahren und organisatorisch unterstützt. Aber auch Grosseltern und Geschwister waren mit an Bord. Ohne diese Hilfe wäre das Projekt in dieser Form gar nicht möglich gewesen. Dafür sind wir ihnen wirklich unendlich dankbar!

Und wie habt ihr das mit der Haltbarkeit und dem Schneiden gelöst?
Wir mussten uns natürlich auch überlegen, wie wir die Chips haltbar machen können. Für das Schneiden haben wir mit einer Schneidemaschine gearbeitet. Dabei haben wir viel ausprobiert, zum Beispiel wie dünn oder dick die Scheiben sein müssen. Es war insgesamt ein ständiger Prozess des Testens: anderes Gemüse, andere Gewürze, neue Kombinationen.

Ihr habt auch mit verschiedenen Geschmacksrichtungen gearbeitet. Wie seid ihr dabei vorgegangen?
Uns war wichtig, etwas Eigenes zu machen und nicht einfach dieselben Kombinationen zu übernehmen, die es schon gibt. Klassischere Sorten funktionieren sicher auch, aber wir wollten bewusst etwas Besonderes schaffen. Eine Sorte war zum Beispiel mit Zimt und Zucker gewürzt, und dazu haben wir besonders viel positives Feedback erhalten. Auch mit anderen Kombinationen wie Kurkuma haben wir experimentiert.

Hattet ihr das Gefühl, dass das Produkt gut angekommen ist? Wie schnell ist es bekannt geworden, gerade nach dem Weihnachtsmarkt?
Ja, wir hatten schon das Gefühl, dass das Produkt gut angekommen ist. Viel lief über Social Media, aber auch über persönliches Weitererzählen. Eltern, Bekannte und andere Personen aus unserem Umfeld haben davon erzählt. Wir hatten den Eindruck, dass Mund-zu-Mund-Propaganda eigentlich fast die wichtigste Form von Werbung war.

Gab es auch Dinge, die nicht so funktioniert haben, wie ihr euch das vorgestellt habt?
Ja, auf jeden Fall. Wir mussten uns irgendwann auf vier Sorten konzentrieren, damit wir dort die Qualität wirklich sicherstellen konnten. Wir haben viel recherchiert und ausprobiert, wollten aber auch vieles selbst herausfinden. Gerade in der Produktion haben wir gemerkt, dass wir manches kurzfristig anpassen mussten. Einige Varianten haben nicht so funktioniert wie erhofft, andere dafür umso besser.

Wenn ihr heute zurückblickt: Was war im Nachhinein die grösste Hürde?
Wir glauben, die grösste Hürde waren oft gar nicht die ganz grossen Dinge, sondern die vielen kleinen Schwierigkeiten, die uns immer wieder etwas zurückgeworfen haben. Wenn man noch wenig Erfahrung hat, verunsichert das schnell. Rückblickend wirken diese Hürden vielleicht kleiner, aber am Anfang waren sie schon sehr präsent. Gleichzeitig haben wir auch viel Unterstützung von Testpersonen, Fahrerinnen und Fahrern sowie weiteren Helferinnen und Helfern erhalten.

Ihr habt euch mit dem Projekt auch sozial engagiert. Wie ist das entstanden und warum habt ihr euch für diesen Verein entschieden?
Uns war wichtig, dass wir mit dem Projekt nicht nur wirtschaftlich oder ökologisch etwas erreichen, sondern auch sozial etwas beitragen können. Wir sind deshalb relativ schnell auf diesen Verein gekommen, weil uns das Thema sehr am Herzen liegt. Der Verein unterstützt Personen mit Krebs. Durch eine persönliche Verbindung in unserem Umfeld war der Bezug dazu schnell da. Deshalb war für uns klar, dass wir dort helfen möchten.

Das heisst, euer Projekt betrifft nicht nur die Umwelt, sondern auch soziale Nachhaltigkeit?
Genau. Es geht nicht nur um Umweltaspekte. Nachhaltigkeit ist viel breiter. Für uns war wichtig, dass das Projekt auch einen sozialen Mehrwert hat.

Könnt ihr euch vorstellen, das Projekt weiterzuführen?
Ja, grundsätzlich schon. Es wäre natürlich schön, wenn das Projekt weitergehen könnte oder wenn jemand darauf aufbauen würde. Wir finden, dass das Thema nach wie vor sehr wichtig ist und das Resnack liegt uns natürlich sehr am Herzen

Vielen Dank, dass ihr euch Zeit genommen habt für dieses Interview!

Hochstamm Suisse

Hochstamm Suisse feiert 2025 sein 25-jähriges Bestehen. Der Verein setzt sich für den Erhalt und die Förderung von Hochstammbäumen ein. Denn diese sind gut für die Biodiversität und den Erhalt der Kulturlandschaft und tragen so zum Klimaschutz bei. Das Gütesiegel von Hochstamm Suisse auf unseren Produkte bedeutet, dass dafür nur Früchte von Hochstammbäumen aus der Schweiz verwendet werden. Seit 2008 sind wir Partner.

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